Dem Schneeleoparden auf der Spur

Skrupellose Wilderer haben den Schneeleoparden hart an den Rand der Ausrottung gedrängt. Ein Naturschützer aus St. Pölten versucht die scheue Himalaja-Katze zu retten.

Von Mark Perry, KRONEN ZEITUNG 12/2003

Schneeleoparden-BabysSkrupellose Wilderer haben diese beiden Babys zu Waisenkindern gemacht. Der St. Pöltner Journalist Robert Klement setzte sich in Nepal für den Schutz des Schneeleoparden ein.

Verschlungen wie die Pfade des Schneeleoparden sind auch die seiner Verfolger. „Felle und Knochen der scheuen Katze werden auf uralten Salzpfaden nach Tibet und von dort nach China und noch weiter geschmuggelt“, sagt der Journalist Robert Klement aus St. Pölten. Monatelang war der Buchautor jetzt im nepalesischen Annapurna-Massiv unterwegs – auf den Spuren einer scheuen Raubkatze, die kaum jemals ein Mensch zu Gesicht bekommen hat! Vieles ist noch unerforscht, denn der Lebensraum des Schneeleoparden liegt in 6000 Meter Seehöhe. Dort trotzt er tapfer dem ewigen Eis. Auf der Suche nach Beute, vor allem Wildschafe, wagt er sich aber auch in die Täler. Überleben kann der Vierbeiner nur dank seines dichten Fells – und genau dieses wird ihm zum Verhängnis. Für den Pelzmantel, der auf dem Schwarzmarkt bis zu 50.000 Euro gehandelt wird, müssen drei Leoparden sterben.

Der scheue Vierbeiner wurde in freier Wildbahn erst 1972 fotografiert.

„Und Abnehmer gibt es genug. Vor allem in Russland“, schildert Klement, der sich für die Naturschutzorganisation „Earth Watch“ für die Rettung der letzten „Himalaja-Katzen“ einsetzt.
Doch es ist verzweifelter Wettlauf mit der Zeit. Denn der weltweite Bestand des Schneeleoparden wird auf weniger als 3000 Exemplare geschätzt. Tendenz dramatisch fallend! Denn gnadenlos bejagt wird die – übrigens seit 20 Jahren weltweit geschützte – Raubkatze auch wegen ihrer Knochen, die in der traditionellen chinesischen Medizin als höchst zweifelhaftes Heilmittel eingesetzt werden. Auch dafür werden horrende Summen bezahlt. „Für die bitterarmen Dorfbewohner ist die Verlockung dann einfach zu groß. Angesichts des raschen Geldes greifen die Männer in den Bergen nur allzu gerne zu ihren Waffen“, sagt Robert Klement, der während seiner Expedition ins Reich des Schneeleoparden in einem Camp in mehr als 4000 Meter Höhe ausharren musste – bei bitterer Kälte und der ständigen Gefahr von Lawinenabgängen! In mühevoller Überzeugungsarbeit hat er – gemeinsam mit dem „Earth Watch“-Team – versucht, den Bauern Einkommensalternativen zu bieten – etwa durch den Ankauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte. Klement: „Dafür müssen sie ihre Jagdwaffen abgeben. Oft tun sie das, greifen aber dann zur Flinte des Nachbarn!“
Von Wilderern bedroht ist übrigens auch die Schneeleoparden-Population des Altai-Gebirges in der Mongolei. Auch dort ist der Bestand auf ganz wenige Katzen geschrumpft: Auf einer Fläche von 120.000 Quadratkilometern leben gerade einmal 800 dieser Tiere, die so scheu sind, dass sie in freier Wildbahn erst 1972 fotografiert werden konnten. Anders als in Nepal sind in der Mongolei aber Antiwilderer-Brigaden unterwegs, welche die illegale Jagd empfindlich stören. „Wir haben dort ein engagiertes Team im Einsatz. Und versuchen ähnlich wie in Nepal die wirtschaftliche Situation der Nomaden zu verbessern, damit sie sich für den Schutz des Leoparden einsetzen, statt ihn zu schießen“, schildert Andrea Paukovits vom World Wide Fund for Nature (WWF). Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt – die Überlebenschancen des Irbis, wie ihn die Einheimischen nennen, sind gestiegen. Robert Klement und sein Team stehen noch am Anfang ihrer Arbeit: „Aber auch wir sind dem Schneeleoparden auf der Spur!“

AKTUALISIERT AM: 16−10−2017 
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