Rio ohne Zuckerhut

st. pölten konkret

Das Rio de Janeiro der Ansichtskarten interessierte ihn nicht. Und so geht es im neuen Roman des Schriftstellers Robert Klement nicht um Samba-tanzende Mulattinnen und Copacabana-Kitsch, sondern um Todesschwadronen, die Straßenkinder jagen.

Was gehen uns die Straßenkinder in Rio an, werden Sie fragen. Eigentlich viel, denn Armut und Ausbeutung in der Dritten Welt und damit auch das Schicksal der Straßenkinder in Lateinamerika sind auch das Ergebnis von Wachstum und Wohlstand in den Industrieländern.
Warum kostet in Österreich ein Kilo Äpfel mehr als ein Kilo Bananen, obwohl bei uns bekanntlich keine Bananen wachsen?

ElendssiedlungDie Rocinha ist mit 250.000 Bewohnern die größte Favela Rios und die größte Elendssiedlung der Welt. Sie wird von Suchtgift-Gangstern beherrscht. Patrouillierende Polizisten werden hier regelmäßig mit MG-Feuer empfangen. Über ein Drittel der Einwohner Rios lebt heute in solchen Slums.

StraßenjungeEin streunender Straßenjunge an Rios weltberühmter Copacabana. Mit Gelegenheitsarbeiten und Zufallsdiebstählen trägt er zum Unterhalt seiner Familie in den Favelas bei. Zur Schule ist er nie gegangen.

StraßenbandeEine Straßenbande in Rio de Janeiro. Als die Jugendlichen aus den Slums merken, dass sie fotografiert werden, gehen sie auch den Buchautor los.

Weil die reichen Länder die Marktpreise diktieren und die armen Länder ausbeuten.
Der Weltmarktpreis bei Kaffee ist in den letzten drei Jahren von 126 Dollar pro Sack (60 Kilo) auf knapp 50 Dollar gesunken, von den knapp 40 Schilling, die ein Packerl im Supermarkt kostet, sieht der Plantagenarbeiter nichts.
Und dann noch Soja, ein Grundnahrungsmittel, mit dem der Hunger im bettelarmen Nordosten Brasiliens bekämpft werden könnte.
Es wird exportiert und hierzulande als Viehfutter verschwendet. Fühlen Sie sich jetzt nicht auch ein wenig schuldig?

Kinder aus der Favela Dona MartaKinder aus der Favela Dona Marta, die als Drogenkuriere von skrupellosen Gangstern mißbraucht werden. In den vergangenen vier Jahren wurden 7.000 Straßenkinder von Todesschwadronen ermordet, die oft im Auftrag von Geschäftsleuten und Hoteliers arbeiten.

AKTUALISIERT AM: 15−12−2017 
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